Freitag, 02.07.2004
1998 Château Montrabech, Corbières
Typischer, schwer alkoholischer Heidekrautstinker; im Geschmack die alles überlagernde Note von rostigem Eisen. Grün und pfeffrig. Plump. Verkörpert das, was Louis de Funès in "Brust oder Keule" meint, wenn er von einem "so genannten Südfranzosen" spricht.
Mittwoch, 30.06.2004
Mouton Cadet wird relauncht
Mouton Cadet wird relauncht: Der Markenwein des Hauses Rothschild mit einer geschätzten Produktion von 13 Millionen Flaschen soll weicher und gefälliger ("plus rond, plus souple") werden und so einem veränderten Konsumentengeschmack Rechnung tragen. Ziel der Verjüngungskur sei es, dem Käufer "18 Monate nach der Lese einen Wein anbieten zu können, der sofort trinkreif ist", berichtet Sud Ouest Die Holzfaßlagerung werde daher konsequent abgeschafft, um die Fruchtigkeit des Weins hervorzuheben. Aus dem gleichen Grund enthält die neue Cuvée einen höheren Merlotanteil. Äußeres Zeichen für die inneren Veränderungen ist eine schwere, Wertigkeit suggerierende Schmuckflasche mit Gravur und einem aufgedruckten Gedicht aus der Feder des verblichenen Baron Philippe selbst. Der erste Jahrgang (2002) des "neuen" Mouton Cadet soll ab September erhältlich sein.
Sonntag, 27.06.2004
2001 Casa de la Ermita Jumilla, Spanien
Jugendliches Granat ohne jede Randaufhellung. In der Nase stark rauchig (das dürfte der Mourvèdre-Anteil sein). Später Ziegenkäse und abgestandenes Wasser von Schnittblumen. Pfeffrige Frucht, im Mund erdig und schwer alkoholisch. Zunächst mangelt es ein bißchen an Differenziertheit der einzelnen Aromen, aber das macht der Wein duch pure Wucht wieder wett. Lang. Das leere Glas duftet nach Holz und Lakritz. Bis zum Höhepunkt dürften es noch gut zehn Jahre hin sein. 86 WP
Schade, daß der
"Joven" mit dieser Bombe nicht so viel gemein hat, wie man annehmen sollte.
Samstag, 26.06.2004
Don Zoilo Pedro Ximenez «Very Sweet», Xeres (Sherry)
Tief dunkelbraun und sirupartig der in Konsistenz. Wunderschöne Nase nach Nagellack, Kaffee, Balsamessig. Im Geschmack Pflaumenmus und wieder Kaffee, schöne Säure. Gewaltige Süße, ohne schmierig oder gar klebrig zu wirken. Absolut mundfüllende Aromen, und nur in der Kehle ganz leicht die Hitze des Alkohols. Toll! 91 WP
Piñones «El Romero», Turrones El Romero S.A., Jijona (Spanien)
Quengelware aus dem Kassenbereich des spanischen Weinhandels: Kleine glänzende, mit weißem Zucker glasierte Dragées aus gerösteten Pinienkernen. Nicht ganz so herzhaft wie gebrannte Mandeln. Sehr lecker. 100 g für 1,13 Euro.
1996 Vina Albali Reserva, Bodegas Felix Solis, Spanien
Nicht so dunkel, wie man es eigentlich erwartet. Vanillenase mit viel süßem neuen Holz, aber nicht vulgär. Hat aber leider keine wirkliche Entsprechung im Geschmack - ganz der typische "kleine" Rioja (der er ja nicht ist). Insgesamt kein Vergleich zu der sehr schönen 98er Reserva, die mit ungewöhnlicher Komplexität und schöner Vermählung von Frucht und Holz wahrscheinlich das Maß der Dinge für Spanier dieser Preisklasse (deutlich unter 4 Euro) darstellt. 82 WP
2001 Crozes Hermitage «Les Jalets», Jaboulet-Aîné
In der Nase unreife, säuerliche Frucht und Haarfestiger. Ganz hinten Röstaromen und Butter, aber danach muß man suchen. Im Mund geradezu ungeheuerlich kurz - man kann kaum sagen, was man da in der halben Sekunde schmeckt: Zitrone und mit viel Wohlwollen rote Johannisbeere (ich sagte "Beere", nicht "Beeren"). Ganz spät öffnet sich der Wein (> 2 h) und zeigt im Bouquet Rauch und Blut, bleibt aber auf der Zunge eindimensional und kurz.
Zusammen mit dem meines Erachtens selbst von Parker noch überbewerteten Côte Rôtie «Les Jumelles» dürfte dies wohl der schlechteste Rote im Jaboulet-Portefeuille sein - für knapp 13 Euro unverschämt wenig Wein. 79 WP
2001 Casa de la Ermita Jumilla Joven, Spanien
Helles Purpur. Nach dem Öffnen viel gekochte rote Frucht. Scharfer Alkohol am Zungenrand, später (nach etwa einer Stunde) irgendwie grasig und mit generischem Marmeladenton, ohne daß man einzelne Aromen wirklich auseinanderhalten könnte. Nicht eigentlich kurz, aber auch nicht vieldimensional. Das fast ausgetrunkene Glas riecht deutlich nach Essig. 81 WP
2001 Blauer Spätburgunder, J. Zotz, Heitersheim
Mittleres Granat, seifige Pinot-Noir-Nase, zunächst nichts Besonderes. Am zweiten Tag im Nachklang kühle Minze und lange, über Sekunden verhallende Fruchtsäure, viel angenehmer als am ersten Tag. Schöner Sommerwein mit leicht überbordender Süße.
Freitag, 25.06.2004
2001 «The Stump Jump», d'Arenberg (McLarenvale/Australien)
Die unterste Stufe in der d'Arenberg-Hierarchie, aber kein kleiner Wein: Bei d'Arenberg weiß man im Gegensatz zu so manchem Konkurrenten offenbar, wie man auch einem Markenwein im Preissegment der gehobenen Konsumklasse so etwas wie Charakter mit auf den Weg gibt. Getreu dem Stil des Hauses handelt es sich auch hier um ein "Rhône-Look-Alike", einen Wein also, der eher durch rebsortentypische Frucht denn durch Vanille und Holzaromen auf sich aufmerksam macht; in einer Blindprobe würde man ihn wohl kaum seinem Herkunftsland zuschlagen.
In der Farbe wie auch der Nase präsentiert sich der Wein nach dem Öffnen bereits sehr reif und dampft mächtig ab: Das markante, an Pflaumenkompott und Karamel erinnernde Bouquet ist noch in 40 cm seitlichem Abstand zum Glas (Bordeaux, Riedel «Vinum») mehr als deutlich wahrnehmbar. Auch auf der Zunge enttäuscht der «Stump Jump» nicht - es drängt sich geradezu unmittelbar der Vergleich mit Châteauneufs auf, die das Dreifache kosten (z.B. «Les Cèdres» von Jaboulet, [bitte nicht mißverstehen: Der ist dann doch noch ein gutes Stück differenzierter ist und hat insgesamt deutlich mehr Wucht]).
Bei soviel Offenheit direkt nach dem Entkorken hätte ich nun wirklich erwartet, daß der Wein innerhalb kurzer Zeit stirbt, aber selbst das war nicht der Fall. Am zweiten Tag (rund die Hälfte war in der Flasche verblieben) hatte der Kleine nochmals deutlich zugelegt und präsentierte nun klassische Syrah-Aromen (heißer Teer!), die den soeben geöffneten 1998er Domaine de Triennes klar auf den zweiten Platz verwiesen. Ein nahezu gigantisches Preis/Leistungsverhältnis!